unsere Welt

…ist eine so ganz andere, als die eure!

Manchmal denke ich, dass ich auf einem anderen Planeten lebe, weil sich im Moment gar keine Schnittmengen bilden. Manchmal, früher, hatte ich wenigstens das Gefühl dabei zu sein, dazu zu gehören – jetzt fühle ich mich abseits gedrängt und mit meinen Sorgen allein gelassen. Das mag auch daran liegen, dass ich während meiner Kur wenigstens ansatzweise in verständige Gesichter geguckt habe und Gesprächspartner hatte. Hier Zuhause bin ich völlig auf mich allein gestellt. Es ist Wochenende und was kann ein Pflegedienst anders machen, als ich?

Meine Ängste kann niemand nachempfinden der Carsten nicht kennt, der Carsten nicht sieht, der Carsten nicht erlebt. Seine Haut ist gerötet, er hat eine Windeldermatitis, am Hals wunde Stellen und am Rücken vermutlich eine leichte Pilzinfektion. Der Kerle kratzt sich die Haut auf. In der Kurklinik wurden ihm drei Wochen keine Fingernägel geschnitten – den Dreck darunter hat er schön auf seinem Körper verteilt!  Da ist es verständlich, dass ich zynisch werde!?

Ich wiederhole mich, ja ich weiß. Ich rede, schreibe immer dasselbe und fühle mich, mehr denn je, allein gelassen. Fühle mich Sche-ße, als pflegende Angehörige, weil Gesprächsbedarf besteht – gar nicht einmal Hilfe bei der Fürsorge und Pflege – es fehlen einfach Austauschbörsen und Redemöglichkeiten. Wahrscheinlich ist mir das jetzt noch bewusster, weil ich diese in den letzten drei Wochen hatte; ich werde mich wieder reinfinden – halbwegs, wie ich es vorher auch getan hatte… Ich vermisse den kulturellen Austausch, das Reden über Bücher, die ich gelesen habe, ich möchte malen, schreiben, singen, nicht mal tanzen – das vermisse ich nicht – aber ich brauche ein Gegenüber auf Augenhöhe. Dieses finde ich nicht. Habe ich zu hohe Ansprüche? Oder ist mein Kosmos inzwischen viel zu weit vom Normalen abgedriftet?

Dies Blog dient auch nicht zum Miteinander, Kommentare sind selten – aber, wahrscheinlich liegt es auch an mir. Ich bin zu ernst und ein wirkliches Gespräch findet im Netz nicht statt, dazu braucht es Augenkontakt –  Smaltalk liegt mich nicht.

Tschuldigung!

Veröffentlicht von

petra ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

6 Gedanken zu „unsere Welt“

  1. Liebe piri, das Netz erfüllt echt nicht die Wünsche die man daran hat. Kenn ich. Zu Anonym. Und die Kur-Urlaube, man ist raus aus seinem Alltag, erholt sich, aber man kriegt nicht unbedingt mit, wie man seine Situation verbessern kann. Ich kann dir auch keine Tipps geben nur sollst du wissen, ich lese deine Beiträge, hab ungefähr eine Vorstellung davon , wie es für dich sein kann, (ich hab lange Jahre in einem Pflegedienst gearbeitet), bin traurig, dass es einfach keine Hilfen gibt, in unserer Gesellschaft und eigentlich kann ich dir nur wünschen, dass deine Sorgen auch von anderen mitgetragen werden können und weniger werden. Liebe Grüße Kat.

  2. carstens haut macht solche sorgen!hoffentlich kriegst du das wieder hin, ebenso wie das gewicht. alles liegt auf deinen schultern! kur war das keine, man will das nicht glauben, dass es nicht anders- besser gelungen ist und die junioren profitiert haben. schade! liebe grüße!

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