nicht nach Hause gehen – aber wohin dann?

Entschuldigt mich bitte – kann sein, dass ich mich endlich einmal betrunken habe! Wird auch Zeit, habe ich schon eine Ewigkeit nicht gemacht und was morgen ist, das interessiert mich gerade nicht die Bohne. Inzwischen ist mein Kopf ziemlich schwer – und da ich mich nicht mit Bier und Wein und sonstigen Pillepanz abgebe und harten Alkohol trinke (wenn man Eierlikör dazu zählt, denn der gute Mirabellenschnaps ist längst alle) – fällt mir das Denken zum Glück ziemlich schwer! Ich will einfach auch einmal berauscht in den Sonntag starten, will nicht daran denken, dass beide Junioren baden müssen und wir der Pastorenfreundin versprochen haben, mit ihr in den Gottesdienst zu gehen. Ich will auch nicht daran denken, dass ich einem guten Bekannten ein Sonntagsmahl versprochen habe …

Ich will mich – nach Jahren – einmal wieder besaufen. Hab es lange nicht gemacht und werde es – mangels Alkohol – vermutlich auch jetzt nicht schaffen.

Wie beneide ich meine Schwester, die, die mich nicht mag, weil ich sie angeblich so beleidigt habe, dass sie mir nicht verzeihen kann. Sie war es, die mir am Tag der Beerdigung meines Mannes gesagt hat, dass sie eine glückliche Familie hat und ich nur neidisch sei! Ja, ich war neidisch und bin es immer noch – aber nicht auf ihre, ach so glückliche Familie. Denn, wer so etwas an so einem Tag sagt, der hat dieses vermeintliche Glück nicht. Ich bin neidisch, dass ich nicht so verklärt bin und mir nicht jeden Abend die Hucke volllaufen lasse … Nein, auch darauf bin ich nicht neidisch! Worauf bin ich es dann? Dass sie mit Alkohol vergessen kann? Auch darauf nicht! Denn schon jetzt bin ich wieder zu nüchtern und denke an den morgigen Tag, an dem ich funktionieren muss.

Da ich betrunken bin, müsst ihr diesen Beitrag nicht unbedingt ernst nehmen – oder vielleicht gerade deswegen! Ich trinke nie, bin immer gewissenhaft und darauf bedacht, es allen recht zu machen. Ich achte sehr darauf nie jemanden weh zu tun und tu es dafür umso öfter, weil ich meistens offen meine Meinung sage. Ehrlichkeit ist, in dieser Zeit kein Charakterzug der geschätzt wird, weil er oft mit Dummheit gleichgestellt wird. Es ist auch verdammte Dummheit in diesen Zeiten –  da alles, das man ins Netz stellt für ewig bleibt – seine Meinung zu sagen …

Bevor ich mich noch mehr in die Nesseln setze, werde ich mal wieder tunlichst meine Klappe schließen und (!) – die Motten fliegen durch die Nacht!

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6 Kommentare

  1. Kann mich auch nicht betrinken, muss Medikamente nehmen, die auf die Leber gehen, da ist Alkohol noch giftiger als bei anderen Leuten. Hab früher ganz gerne mal ´nen Martini gehabt – nun bin ich für Wohnung, Einkauf, Essen kochen, putzen usw. oft zu nüchtern. Bloß die Hyperaktivität kommt nicht zur Ruhe! Das Mühlrad im Kopf dreht und dreht sich.
    Und ich bin zu ehrlich, meine psychischen Schwierigkeiten zu verschweigen…

  2. Ob was in der Luft liegt? Ich heute auch, darf ja auch mal sein 😉
    herzliche Grüße, Ulli

  3. Bei mir reichen zwei Glas Wein, gestern bei der Abschlussveranstaltung der Hamburger Literaturtage. Und da bin ich dann angequatscht worden von einer Krimi-Autorin, die gerade an ihrem zweiten Buch schreibt, die war auch etwas angeschickert. Manchmal hilft Alkohol tatsächlich, es war ein schöner Abend. Zum Glück bin ich noch ohne Schlangenlinien auf dem Fahrrad heil nach Hause gekommen.

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