Hitzefächerreien

„Mama, warum bist du so rot im Gesicht?“ Ich? Rot? Im Gesicht? Ich doch nicht! Sehe ich wirklich so aus. Muss gleich mal gucken, wenn die Hitze wiederkommt. – Tatsächlich! Nicht tomatenrot, eher ein Anflug von leichtem Erröten, aber sehr offensichtlich. Ich werde mir einen Fächer zulegen, einen roten und die Fächersprache lernen.

Die Fächersprache ist die galanteste Sprache der Welt – so heißt es. Der Fächer sei ein anmutiges Instrument zur Selbstdarstellung. Mit ihm kann jede Gefühlsregung klar und graziös ausgedrückt werden.
In London und Paris soll es sogar Fächerakademien gegeben haben, um die Damen und Herren den graziösen Code zu lehren.
Tatsächlich wird 1757 in einem Buch verschiedene Gemütsbewegungen aufgelistet und ihnen bestimmte Arten, einen Fächer zu halten, gegenübergestellt. Natürliche Körpersprache wird hier durch den Fächer betont und erklärt, wie der Fächer als Requisit des Flirts eingesetzt werden kann. Eine direkte Zuordnung von Geste und Aussage ist eine nicht datierte Veröffentlichung des Fächerherstellers Duvelleroy (seit 1827).
Die Fächersprache ist natürlich keine richtige Sprache, sondern nur ein Code, mit dem Eingeweihte sich auf Gesellschaften Signale geben können; diese Signale drehen sich allesamt um – wie könnte es anders sein – das schönste Gesellschaftsspiel: das Flirten und Liebeshändel. Üblicherweise werden die Codes sehr bewusst eingesetzt, aber – wer weiß – vielleicht sind sie einigen Damen schon so in Fleisch und Blut übergegangen, das ihnen auch mal die eine oder andere Geste „entrutscht“.

Mehr zu Fächern und auch wunderschöne Bilder von Fächern findet man auf der Seite der Fächersammlung.

Einige Codes sind:
Linke Hand vor das Gesicht halten – Ich sehne mich nach Gesellschaft…
Rechte Hand vor das Gesicht halten – Folgen Sie mir!
Offen in der linken Hand halten – Kommen Sie und unterhalten Sie sich mit mir!
In der rechten Hand tragen – Sie sind zu willig!
In der linken Hand drehen – Ich möchte Sie los sein!
Mit der rechten Hand flattern lassen – Ich liebe einen anderen!
Finger am äußeren Rand – Ich möchte Sie sprechen!
Mit abgespreiztem kleinen Finger halten – Auf Wiedersehen!

Veröffentlicht von

petra ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

5 Gedanken zu „Hitzefächerreien“

  1. Eine meiner Lieblings-Museumsführerinnen gibt in den sogenannten Reichen Zimmern der Residenz des Öfteren eine kleine und recht amüsante Einführung in die Kunst, Fächer als Ausdrucksmittel zu benutzen, zum besten. 😉

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