ach Hans

Du fehlst mir so, gerade an diesen heißen Wochenendtagen, wenn wir ans Wasser fahren könnten, unter Bäumen sitzen und Limo trinken!

Gerade heute sind meine Augen wieder geschwollen. Ich bin froh, dass ich weinen kann – aber lieber wäre ich nicht allein mit den Junioren. Unser letzter Sommer ist weit weg. Kein Berg, kein Tal trennt uns – es ist so viel mehr. Uns trennt die Ewigkeit! Bald hättest du Geburtstag; ich wusste nie, was ich dir schenken sollte – du hattest alles, sagtest du. Ich gäb‘ was drum, mal wieder nicht zu wissen, womit ich dich überraschen könnte…

Carsten fehlst du bei der WM, Wiebke als Clown, mir sowieso. Unser Grill rostet vor sich hin, die Gartenmöbel müssten dringend gestrichen werden, der PC aufgeräumt, der Keller sowieso!

Ach Hans – Vermissen ist ein viel zu schwaches Wort.

fremde Worte

Sanft gehen sie, die Schönen, die Zarten,
die Freundlichen;
Leise gehen sie, die Klugen, die Lustigen, die Tapferen.
Ich weiß. Aber ich kann es nicht gutheißen.
Und ich werde mich nie damit abfinden.

Edna St. Vincent Millay 

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Fragment und Nachhall

„Haltet mich für komplett verrückt. Aber genau, wie vor vier Jahren, als ich schon einmal hier in diesem Haus war, hat mir diese Kur nicht viel gebracht.“

Jetzt, nachdem ich endlich wieder daheim angekommen bin, merke ich, in welches Loch ich gefallen bin, als ich die Junioren abgeholt habe. Carsten magerer als vor der Kur zu sehen tut weh und zerrt an meinen Nerven…

Aufstehen, weiter machen, weiter nach Ideen suchen, wie ich dem Kerle Essen schmackhaft mache. Gute Ratschläge nicht abbügeln, auch wenn ich (fast) alle schon selbst ausprobiert habe. Smoothie mag er nicht, Obst auch nicht, Sahne ist bäh, der Magen ist zu klein, Essen schmeckt nicht… Es gibt wirklich keinen Trick, den ich nicht schon ausprobiert habe. Einen Essenplan wirft er mir vor die Füße, auch wenn er ihn selber aufgestellt hat. Leider kann ich Carsten nicht auflaufen lassen, weil er nicht ein Gramm zuzusetzen hat. Glaubt ihr nicht? Ich übertreibe? Dann kommt, guckt ihn euch an und versucht es gegebenenfalls besser zu machen. Auch wenn es in Deutschland heißt, dass kein Mensch verhungern muss, wenn ausreichend Essen zu Verfügung steht – wenn kein Hungergefühl da ist und Essen per se anstrengend ist, geht das auch. Und dabei hatte ich so gehofft, dass sich das Blatt wenden würde. 

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froh sein

„Du kannst froh sein, dass überhaupt jemand kommt.“, sagt die Pastorenfreundin – von der ich inzwischen denke, dass sie nicht unbedingt die beste Helferin ist. Denn, wenn sie da ist, machen wir das, was sie möchte, wir richten uns nach ihr und wenn sie nicht spazieren kann/will, dann spielen wir (ich darf/muss immer mitspielen) zum hundert tausendsten Mal MenschÄrgereDichNicht. Es kommt uns inzwischen aus den Ohren wieder raus!

Ich wünsche mir mehr Eigeninitiative von den Helfern. Vorschläge, was wir gemeinsam oder was sie mit den Junioren machen könnten! Auch ich kann mir nicht alles aus den Fingern saugen und hätte für manche Aktivität, die vordergründig erst einmal abgelehnt wird (von den Junioren) moralische Unterstützung in Form von Überzeugungsarbeit, denn meistens (fast immer) ist es am Ende gut, wenn wir unterwegs waren. Carsten und Wiebke sind halt bequem und Neues ist eben auch etwas Ungewisses.

Es heißt jetzt nicht, dass ich nicht froh bin, wenn Helfer kommen, die nur dasitzen und mit uns Fußball gucken …

Hilf

Ich glaube, ich muss langsam mal den *Jammermodus* abstellen – es interessiert eh niemanden mehr!

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…und heute ist ein neuer Tag. Was er mir bringt, weiß ich jetzt noch nicht. Carsten wird wieder zum Essen animiert werden müssen, Wiebke hoffentlich nicht in die Hose pinkeln, ich das Trinken nicht vergessen, wir werden zusammen erzählen und ich werde vorlesen – Dirk und ich von Andreas Steinhöfel. Sagt mal: habt ihr Vorschläge für witzige Kinderbücher, die nicht in der Schule spielen? Okay! Was wird der Tag bringen? Erst mal Kaffee – dann rein ins Getümmel!

Polarisierung

Momentaufnahme

 

kein Jammern

Beide Junioren liegen noch im Bett, Carsten schläft. Wiebke ist wach, will aber nicht aufstehen. Ich habe seit Wochen Bauchschmerzenkrämpfe, von denen ich erst dachte, dass sie psychosomatisch seien, es sich immer mehr herausstellt, dass organische Ursachen der Grund sind.

Okay – hat mit dem Thema nichts zu tun. Wir haben nichts zu essen im Haus und ich kann nicht einkaufen, weil ich die Junioren nicht alleine lassen kann. Wenn Wiebke auch schlafen würde, wäre ich jetzt kurz losgefahren, um wenigstens das Nötigste zu holen. So geht das leider nicht. Denn, mein Töchting merkt sofort, wenn ich aus dem Haus gehe und fängt an zu weinen. Mitnehmen geht auch nicht, weil sie nicht aus dem Bett möchte. Helfer sind keine da und Werkstatt ist auch keine (bis Montag).

Mein Dilemma ist groß. Sicher werden wir nicht verhungern und verdursten – irgendwas habe ich immer im Haus und notfalls müssen eben beide nachher mit einkaufen gehen. Das wird ein Mordsaufwand, zumal Carsten schon signalisiert hat, dass er nicht will und sich quer stellen wird. Ich kann die beiden eben nicht alleine lassen! Sie würden mir ‚die Bude‘ aufräumen oder sich selbst verletzen. Die Helferin, die donnerstags Nachmittag immer kommt, ist auch nicht in der Lage auf 2 behinderte Menschen zu schauen – sie könnte noch nicht einmal Carsten vom Rollstuhl auf den Teppich setzen, geschweige denn Wiebke auf Klo hieven…

…eine blöde Situation, die meinen Bauchgrimmen wenig zuträglich ist! Müssen wir durch, werden wir durch kommen, sind wir immer durch gekommen!